Besuch von Ramona Piosik, Nathalie Pozzi, Andreas Baer und Simone Gloor vom 13.-16.8.18

Das Erste was mir  auffällt als wir uns dem Tierheim nähern, ist das laute Gebell der Hunde. Dabei erlebe ich bereits meine erste Überraschung: Die Hunde bellen nicht aus Angst oder Aggression, sondern sie buhlen um Aufmerksamkeit. Sobald genug Hände da sind die streicheln und kraulen können, wird es ruhig im betreffenden Gehege. Es ist kaum zu fassen wie lieb und zutraulich der grösste Teil der Heiminsassen ist. Sie wollen nur eines: Liebe und Aufmerksamkeit. Dafür lassen sie sogar das Futter liegen. Nicht einmal die wirklich attraktiven grossen Ausläufe, in die jeden Morgen ein Rudel Hunde zum Austoben gebracht werden, interessieren die Fellnasen. Sie kleben am Gitter und wollen zu uns.

Wir verbringen die Tage damit, möglichst viele Hunde aus den Kennels rauszuholen, mit ihnen spazieren zu gehen, sie kennenlernen. Auf den Spaziergängen zeigt sich der Charakter der Hunde am besten. Sobald wir mit ihnen das Tierheim verlassen und es um uns herum ruhig wird, entspannen sich die Tiere, nehmen zu uns Kontakt auf, schnüffeln, geniessen. Dies erleben wir auch  wenn die Hunde in der Schweiz ankommen. Einmal dem Tierheim entronnen, können sie endlich ihr wahres Wesen zum Ausdruck bringen. Und meistens ist dies viel positiver und unkomplizierter als man annehmen müsste. Wir geniessen diese kleinen Ausflüge mit unseren Schützlingen und wollen keinen von ihnen zurück in den Kennel stecken. Aber unsere Zeit ist beschränkt. Wir haben noch so viel vor.

Geht man durch das Tierheim, treffen einem viele traurige Blicke mitten ins Herz. Und doch sind auch einige Hunde so gut drauf, dass wir wenig Gelegenheit bekommen Trübsal zu blasen. So gibt es hübsche, harmonische Welpenrudel die zufrieden ein schönes Gehege bewohnen. Weiter sind da diese bewundernswerten erwachsenen Tiere, die trotz ihrer Lebensumstände in sich ruhen, erhaben über den Stress ihrer Artgenossen hinwegsehen und sich nicht davon anstecken lassen. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt auch der Besuch bei der Jugendgang  Caia, Cayo, Clarissa und Cabo. Eigentlich wollen wir nur ein paar Welpen knuddeln. Dabei werden wir komplett überrannt und vor lauter Freude fast aufgefressen. Ich kann mich nicht erinnern wann ich das letzte Mal so schmutzig gewesen bin!

Am vierten Tag hiess es dann, Nachkontrollen bei vor Ort vermittelten Hunden durchzuführen. Motiviert machen wir uns auf den Weg, mehrere Adressen im Visier. Das Unterfangen stellt sich für uns Ausländer als unrealistisch heraus. Wir sind nicht ortskundig, die Adressen nicht auffindbar, das System der Quartiere und Strassen für uns undurchschaubar. Trotzdem ist der Ausflug interessant und wir bekommen einige Fälle zu Gesicht, die in Ungarn Alltag sind. Hunde, eingesperrt in kleine Zwinger, obwohl das Grundstück um das Haus riesig wäre und erst noch eingezäunt. Für uns Schweizer nicht nachvollziehbar. Und doch zeigen die Kontrollen, die von den Mitarbeitern des Menhely durchgeführt werden, dass in Ungarn ein Umdenken stattfindet und immer mehr Hundehalter ihren Tieren ein gutes Zuhause bieten.

Alltag im Tierheim

Gleich bei der Begrüssung klärt uns Andy darüber auf, dass das Tierheim eine lästige Flohinvasion durchmacht. Die Mitarbeiter baden die Hunde, applizieren Flohmittel, spritzen die Gehege aus. Sie tun was sie können doch die fiesen Parasiten sind hartnäckig. Wir machen uns darauf gefasst dass auch wir nicht ungeschoren davonkommen werden und so ist es dann auch...

Auch ohne diesen zusätzlichen Aufwand der Flohbekämpfung gibt es viel zu tun. Der Alltag ist ausgefüllt mit der Reinigung der Kennels, Transporten zum Tierarzt, Hunde an Leine und Spaziergänge gewöhnen, Hunde in die Ausläufe bringen, Coiffeurbesuche, Fütterung, Pflege der Anlage, laufende Bauarbeiten vor Ort u.a. Aktuell müssen einige Ausläufe neu eingezäunt werden. Während unseres Aufenthaltes werden gerade Stützpfeiler verschiedener Gehege neu einbetoniert.   Für die Abkühlung der Hunde und für die Bewässerung des Rasens ist über den ganzen Tag hinweg ein Rasensprenger in Betrieb. Für die Hunde eine angenehme Abkühlung und auch für uns immer wieder Anlass für ein kleines Gaudi. Wen wunderts, bei dieser Hitze!

Bemerken Passanten einen streunenden oder verletzten Hund, ist offiziell das Menhely dafür zuständig.  Dementsprechend rücken die Mitarbeiter manchmal mehrmals täglich aus, um Hunde aus gefährlichen Situationen zu retten und ins Tierheim zu bringen. Dabei muss ein gesetzlich vorgegebener Ablauf beachtet werden. Wenn der Hund im Menhely ankommt wird als erstes sein Chip überprüft und bei Erfolg sein Besitzer verständigt. Dann geht’s zum Fototermin. Danach muss der Hund 2 Wochen in die Quarantäne. Innerhalb dieser Zeit können sich Besitzer, die ihre Hunde suchen, melden. Erst nach dieser Frist dürfen die Hunde in die Vermittlung aufgenommen werden.  

Auch Adoptionen finden direkt im Menhely statt. Wir staunen, dass täglich Interessenten kommen und mit einem Hund oder einem Kätzchen auf dem Arm wieder gehen. Mittlerweile müssen auch diese Adoptiveltern, wie wir in der Schweiz, einen Vertrag unterschreiben in dem sie sich verpflichten, ihr neu erworbenes Tier korrekt zu halten. So ist zum Beispiel keine Ketten- und keine Zwingerhaltung erlaubt. Wer bei einer Nachkontrolle dabei erwischt wird, dass er sich nicht an die Abmachungen hält, muss seinen Hund wieder an das Menhely abgeben.

Projekte

Selber über all die Tage unseres Aufenthaltes der gleissenden Sonne ausgesetzt realisieren wir, wie wichtig schattenspendende Zufluchtsorte für die Hunde sind. Noch immer sind viele Kennels diesbezüglich ungenügend ausgestattet. Deshalb liegt uns das laufende Projekt, das sich der Erweiterung der Dächer widmet, sehr am Herzen. Noch fehlt das nötige Geld um dieses wichtige Anliegen voranzutreiben. Animal-Happyend ist auch hier auf Ihre Unterstützung angewiesen. Bitte helfen Sie mit dieses Projekt möglich zu machen! Den Spendenaufruf dazu finden Sie auf unserer Startseite.

Auf der letzten Reise im Mai wurde das unbefriedigende Tränkesystem besprochen. (Wir berichteten) Umgehend wurde die Idee des "Balkon-Blumenkasten-Symstem“ umgesetzt. Es bewährt sich hervorragend.  Da die Tränken nicht mehr auf dem Boden stehen sondern am Gitter befestigt sind, macht sich Nathalie Sorgen um die kleinen Welpen, für die der Zugang zum Wasser nun wohl etwas schwieriger ist. Kaum gesagt zeigt ihr ein Winzling wie es geht: Behende klettert er die wenigen cm das Gitter hinauf und lässt sich dann ins Wasser plumpsen. So geht das!

Auch die Vergrösserung der Kennels, in denen die Hunde leben die einzeln gehalten werden müssen, wurde in Angriff genommen.  Zu diesen Hunden, in der Schweiz spricht man  von den Listenhunden, gehören zum Beispiel die Staffordshire Terrier. Es gibt doch einige dieser Rasse die schon seit Jahren hier leben. Mit den baulichen Massnahmen kann ihre Lebensqualität erheblich verbessert werden.

 

Viele von Ihnen haben das Schicksal des eingeschüchterten Rüden in der Quarantäne und unter der Rubrik ohne Worte mitverfolgt. Wir haben gute Nachrichten. Mit Felix wurde gearbeitet und mittlerweile durfte Felix in die Schweiz einreisen. Hier kann er sich erstmal erholen, positive Erfahrungen mit Menschen machen, Freundschaften schliessen, gutes Futter geniessen und einfach sein

 

Mitarbeiter

Im September geht Benji, ein geschätzter Mitarbeiter, zurück zu seinem Studium. Zusammen mit Kitty war er zuständig für die Aktivierung der Hunde in den Ausläufen und für Spaziergänge. Tibi, ein motivierter junger Mann aus der Gegend, wird Benji ersetzen.  

 

Heimreise

Der Abschied fällt uns schwer, auch wenn wir nach diesen vier intensiven Tagen müde sind. Wir alle haben unser ganz persönliches Rudel Lieblinge und ihre Schicksale im Kopf, als wir ins Flugzeug steigen. Da bleibt nur eines: Dranbleiben, weitermachen und darauf vertrauen, dass Sie uns weiterhin unterstützen.

Herzlichen Dank! Simone