Erfahrungsbericht von Beci-3 aus Ungarn

.07.2023

Vor gerade etwa einem Jahr durfte ich den Terrier-Mix Beci bei seiner Pflegefamilie am Rhein abholen. Der Anfang war für uns beide nicht ganz einfach. Beci beschnüffelte zögerlich die Wohnung und schien sich nur auf der Terrasse einigermassen sicher zu fühlen. Beim ersten Gang in den Garten verzog er sich ins Gebüsch, und als ich ihn rief – mit der Zeit auch etwas ungehalten – verkroch er sich nur noch tiefer. Ob er den Befehl «komm» oder «hier» oder «zu mir» nicht kannte? Beim zweiten Besuch rannte er forsch voraus und schwupps, hatte er etwas im Maul, nicht etwa ein Hölzchen, nein, einen Spatz, den er nun absolut nicht hergeben wollte. Mit dem hat er sich dann wieder ins Gebüsch verzogen und ihn wohl gefressen, jedenfalls kam er nach einer Weile mit sehr zufriedenem Gesicht wieder hervor. Da war ich völlig durch den Wind und hätte ihn am liebsten gleich wieder zurückgegeben. Ich war mir gar nicht sicher, ob ich ihn je gern bekommen würde. Aber dann überlegte ich mir, dass er so wohl seine ersten drei Jahre auf der Strasse überlebt hatte und machte meinen Frieden mit ihm.

Beci entpuppte sich rasch als sehr schlaues, lernbegieriges Bürschchen, zudem war meine Vorgängerin offensichtlich mit ihm zur Hundeschule gegangen, die üblichen Befehle kannte er sehr wohl. Fand der Hundetrainer, den wir bald aufsuchten, weil Beci andere Hunde anknurrte und manchmal auch nach ihnen schnappte, Beci sei unsicher und wir hätten kaum eine Beziehung, so ergab sich beides schon sehr bald. Es ist einfach wunderschön zu erleben, wie ein anfangs eher misstrauischer Hund sich auftut und sich eine Beziehung und Vertrauen von beiden Seiten her anbahnt und über die Monate zunehmend vertieft, und gleichzeitig ist er auch im Umgang mit anderen Hunden entspannter geworden – ein Prozess, der wohl nie enden wird.

Ich finde es schön, ein Tier zu beobachten: Was geht wohl in diesem Kopf los, was mag es, was macht Freude, was interessiert nicht? Und umgekehrt werde natürlich auch ich sehr eingehend beobachtet. Wenn ich ausgehe, weiss Beci das schon, bevor ich mich bereit mache, und er kapiert auch schnell, ob er mitdarf oder nicht. Die üblichen Spiele mit Ball oder Stöckchen oder Frisbee sagen Beci gar nichts, das lernen Hunde auf der Strasse nicht. Stattdessen spielt er gern «böser Hund» (ich nenne das so): Er wühlt sich mit dem Kopf knurrend durch die Bettdecke und schaut mich dabei auffordernd und wedelnd an, und wenn ich ihn dann knutsche, wird das Knurren und Grunzen und Zähnefletschen geradezu wohlig. Und wenn er ein Spiel lustig findet, kann er auch lachen.

Autofahren ist allerdings mühsam mit ihm, er bellt und jault bis er müde ist. Überhaupt bellen ­– er ist durchaus geneigt,  auch den Tisch im Restaurant zu verteidigen. Na ja, darf er denn gar keinen Fehler haben? Ich denke, wir haben beide grosses Glück gehabt, dass wir einander gefunden haben.

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Kommentare

Kommentar von Sandra H. |

Guten Tag
Ich bin die 1. Pflegestelle von den 2 Brüdern Beci und Benö. Ihr Bericht freut mich sehr! Benö habe ich behalzen, er hat sich so in mich verliebt ich bin sein allereinzigstes Liebeswesen auf der Welt und das ist toll. Mein Benö ist genau gleich und so, wie sie Beci beschreiben, in gar allem. Ich danke Ihnen, dass Sie Beci so erkennen wie er ist: ein Professor mit eigenem Kopf, ungemein viel Klugheit und unvergleichbar, wie Benö. Lieben Gruss aus Schönbühl!

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