Erfahrungsbericht von Thanos aus Ungarn

.04.2021

Hallo liebes Happyend-Team

Wir kennen nun Gaby Biedermann, welche für Eure Organisation tätig ist, ja bereits etwas länger, da auch ich seit Jahrzehnten bereits Hunde, bisher aber ausschliesslich Molosser (Boxer, Bulldoggen) habe. Nun Gaby Biedermann war am 20. Mai 2020 bei uns zu Besuch und erwähnte spontan, sie hätte einen Patenhund in Ungarn, welcher was für mich sein könnte und zeigte uns Fotos von Thanos. Meine Lebenspartnerin Esther Weder war sprachlos entsetzt, denn Sie hatte mir gegenüber immer schon explizit geäussert, «ein Listi und ich bin weg». Auch ich rang ein wenig um Worte, denn ich und was anderes als Molosser – erstmal unvorstellbar. Noch dazu Esthers nachhallende Drohung.

Gaby merkte, wie entsetzt und leider mediengeschädigt Esther reagierte, schlug sie spontan vor, sie und Ihre drei Amstaffs am Sonntag, 24. Mai zu besuchen. Esther und drei Amstaffs? Unvorstellbar! Sie hat dann nur schon auf der Hinfahrt jeden Gegenstand darum beneidet, nicht zu diesen drei «Listis» zu müssen. Dort angekommen, wollten Sie alle ruhig und freundlich begrüssen, sie war erstmal gelähmt vor Angst, ging nicht aufs Grundstück. Es brauchte viel Überzeugungskraft, dass sie den Schritt auf die Hunde zu gemacht hat. Lange Rede kurzer Sinn, nach einigen Minuten sass diese «Mediengeschädigte» Esther inmitten dreier Amstaffs und hat sich mit Ihnen erstaunlicherweise ziemlich schnell angefreundet.

Beim anschliessenden Gespräch unter vier Augen haben wir vereinbart, wir werden uns diesen Thanos zumindest mal ansehen, da er am 28. Mai 2020 ohnehin in eine Pflegestelle in der Schweiz gebracht wird. Esther wohl mehr in der Hoffnung, dass unsere zwei anderen Fellnasen, speziell das Sensibelchen Enni (Chihuahua-Mix) mit diesem grossen schwarzen Kerl nichts zu tun haben möchte, den Schwanz einzieht und Reissaus nimmt, ich in der pragmatischeren Hoffnung das es zumindest einigermassen gesittet abgeht.

Am Samstag, 30. Mai 2020 sind wird also zu dieser Pflegestelle gefahren und da Gaby Biedermann ihren Patenhund ohnehin persönlich kennenlernen wollte, hat Sie uns, nebst unseren beiden Hunden Enni und Bonita (OEB), dorthin begleitet.
Wir unsere beiden Vierbeiner ausgeladen und harrend der Dinge die nun kommen werden.  Und dann kam dieser Moment, den ich trotz jahrzehntelanger Hundeerfahrung und auch Unvoreingenommenheit wohl niemals mehr vergessen werde. Man brachte uns diesen grossen dunklen, stattlichen Burschen heraus und die kleine Enni direkten Weges auf ihn zu, Nase an Nase, dreht sich um, mit hohlem Kreuz vorantrabend und er wie selbstverständlich hinterher tappsend. Wir standen wortlos da und haben wohl kurzzeitig sprichwörtlich gar nichts mehr gerafft. Wir mit allen dreien auf einen kurzen Spaziergang, bei dem wir entschlossen haben, ihn bei uns mal zwei oder drei Tage Probewohnen zu lassen, denn könnte ja sein dass es damit dann nicht mehr so reibungslos klappt. Aber es hat geklappt, und wie.

Dieser grosse dunkle, wunderschöne Kerl hat wohl mehr als nur schnell nicht nur Enni’s Herz berührt, sondern vor allem Esthers, in dem er auf dem Nachhauseweg bereits begonnen hat, sich an sie zu kuscheln und es sich auf ihren Beinen wunderbar bequem gemacht hat. Da wir haben uns fest vorgenommen, Thanos eine wirkliche Chance zu geben.

Und dieser grosse, wundervolle Bursche hat auch beim Probewohnen uns alle mit seiner liebenswerten Art sprichwörtlich um den Finger gewickelt. Am Sonntag 31. Mai dann, als wir Gaby fix zugesagt haben, dass wir dieses Herz auf vier Pfoten behalten werden, hat er sich dann leider an demselben Abend noch durch einen Vertrampler das Kreuzband gerissen, dieser Pechvogel.
Am 1. Juni dann ab zum Tierarzt unseres Vertrauens um die Diagnose zu bestätigen. Und was soll ich sagen, sogar dort hat er einfach alles vorbildlich über sich ergehen lassen. Röntgenaufnahmen, Untersuche, Wartezeiten.

Dieser gutmütige Kerl hat niemanden von uns gekannt, alles war neu, die Verletzung und sicher auch dementsprechend Schmerzen. Mit stoischer Ruhe hat er alles hingenommen, alles über sich ergehen lassen. Da zeigte er uns allen einmal mehr seinen absolut wundervollen Charakter, übrigens inklusive Tierarzt-Personal. Diese leider oftmals vorhandenen Vorurteile gegenüber solcher Rassen sind nur zu oft unbegründet. Denn wenn ein Tierarzt nach nicht einmal 5 Minuten den Maulkorb wieder abnimmt mit den Worten, dieser Bube kennt niemanden von uns, spürt aber genau, dass wir ihm helfen wollen.  Auch die drei Monate Schonzeit nach der OP am 3. Juni, sein Glaube an uns und seine offensichtliche Sanftmut liessen uns sogar in dieser Phase stetig zusammenwachsen. Und wer eine Ahnung davon hat, wie lange es gehen kann, bis Hunde mitunter wirklich Vertrauen fassen, weiss auch wovon ich hier Schreibe.
Denn Vertrauen ist selten ein Selbstläufer, Vertrauen muss man sich erarbeiten. Bei jedem Hund, übrigens unabhängig von Alter und Herkunft.
Mittlerweile nun lebt er seit bald einem Jahr bei uns und wir sind jeden Tag zutiefst dankbar, dass er uns seine unendliche Liebe, Dankbarkeit und sein Vertrauen jeden Tag aufs Neue zeigt.

Und es darf auch jederzeit gerne wieder ein «Listi» sein, keine Frage. Denn dieses, unser «Herz auf vier Pfoten» führt uns Menschen, übrigens auch im persönlichen Umfeld jeden Tag vor Augen, das niemals eine menschgemachte Liste Auswahlkriterium sein sollte, sondern Ausschliesslich das Individuum.
Jeder Hund hat eine Chance verdient und zeigt uns tagtäglich, wenn das Vertrauen wächst, seine Dankbarkeit, Loyalität und Liebe.
Herzlichen Dank nochmals an Gaby Biedermann, denn Ihrer sanften Hartnäckigkeit war es zu verdanken, dass wir uns überhaupt je in diese Richtung bewegt haben. Wir würden und wir werden auch jederzeit wieder einer solchen Seele von «animal-happyend» eine Chance geben, denn jeder Tag mit diesem fantastischen Kerl ist einfach nur ein Geschenk.

Herzlichen Dank animal-happyend, denn bezogen auf Thanos ist euer Name wohl Programm.

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