Erfahrungsbericht über Berna-2, neu Wanda aus Ungarn

.04.2019

Animal-Happyend war zu Besuch bei David im Engadin, bei dem Wanda seit etwas mehr als einem Jahr lebt. Wir wollten in Erfahrung bringen, wie diese Wohngemeinschaft funktioniert. Während David uns Auskunft gibt, liegt Wanda ruhig auf dem Sofa und döst.

Animal-Happyend (AH): David, beschreib uns doch bitte in einem Satz dein neues Leben mit Wanda.

David: Seit Wanda zu mir gekommen ist, brauche ich keinen Sechser im Lotto mehr.

AH: Wie waren die ersten Tage, nachdem du sie am 10. November 2017 abgeholt hast?

David: Am Anfang war sie schon noch etwas eingeschüchtert. Ich wurde immer etwas traurig, als sie zusammengezuckt ist, wenn ich nur schon eine etwas ruckartige Bewegung gemacht habe. Das liess mich befürchten, dass sie vorher nicht immer nett behandelt wurde. Aber sie hat sich sehr schnell eingelebt und ist nun eine selbstbewusste, stolze Hündin. Und ich war ja wahnsinnig froh, dass Wanda von Anfang an stubenrein war.

AH: Wie würdest du sie heute charakterisieren?

David: Sie ist verspielt – und auch etwas verträumt. Sie kann sich minutenlang mit einem Tannzapfen beschäftigen, ihn in die Luft schleudern und wieder auffangen. Sie jagt den Tannzapfen richtiggehend. Und manchmal bleibt sie verträumt am Wegrand stehen bis sie merkt, dass ich schon einige Meter weiter bin. Dann beginnt sie zu rennen um wieder zu mir aufzuschliessen. Auch da denke ich manchmal: «Meine Güte! Du musstest auf der Strasse leben! Du bist gar nicht geboren für die Strasse! Wie hast du das durchgestanden mit deiner Träumerei und deiner Verspieltheit?». Aber sie hat manchmal einen ganz schön dicken Schädel. Wenn sie das Gefühl hat, jetzt sei genug Spaziergang, stellt sie sich quer vor mich hin oder bleibt einfach sitzen und schaut in die Richtung aus der wir gekommen sind.

AH: Hattest du Erwartungen, wie es sein würde, die nun nicht in Erfüllung gegangen sind?

David: Ich hatte nicht wirklich viele Erwartungen. Vielleicht eine: Ich habe mir gedacht, dass ich mit ihr Frisbee spiele. Ich war immer fasziniert von diesen Hunden, die dem Frisbee nachjagen und ihn mit einem Sprung elegant fangen. Aber sie interessiert sich überhaupt nicht für geworfene Gegenstände. Und die Spielsachen die ich für sie gekauft habe, liegen ungenutzt im Schrank.

Wanda: (hebt den Kopf und schaut etwas kritisch) Kauf dir halt einen Bumerang, wenn du willst dass das Ding zurückkommt.

AH: Und wie ist Wanda gegenüber anderen Hunden und gegenüber Menschen?

David: Die meisten Menschen begrüsst sie sehr freudig! Sie ist so überschwänglich, dass es schwierig ist, ihr das Raufspringen abzugewöhnen. Und viele Leute machen da halt bei der Abgewöhnung auch nicht mit. Weil Wanda so herzig ist, sind die Leute eher nachsichtig und wenn ich Wanda ermahne, sie solle nicht hochspringen kommt oft als Antwort: «Aber das macht doch nichts!». Kleinen Kindern gegenüber ist sie etwas skeptisch. Aber wenn sie von ihnen bedrängt wird, geht sie zum Glück nicht auf Angriff, sondern weicht aus. Bei Kindern mit denen sie öfter zu tun hat ist sie aber sehr entspannt. Auch vielen anderen Hunden – vor allem den kleineren – begegnet sie etwas distanziert. Sie hat aber eine auserlesene Truppe von sehr guten Hundekumpels mit denen sie auch sehr gerne spielt.

Wanda: Na, ich bitte dich. Was soll ungesund sein an einem gesunden Misstrauen? Bezüglich Menschen lebe ich nach der Devise: Die Freunde meines Menschen sind auch meine Freunde. Wen mein Mensch besonders mag, begrüsse ich äusserst überschwänglich. Alle anderen Menschen nur überschwänglich. Und Hunde? Da bin ich wählerisch! Ich habe halt so meine besten Kumpels. Und was ich fürs Leben gerne mache ist, mit grossen Rüden zu raufen. Oder Fangis zu spielen. Aber das wird rasch einmal langweilig, weil ich oft viel schneller bin als die anderen. Und Fangis und Raufen kann man halt mit kleinen Hunden nicht so gut. Am liebsten raufe ich mit Dino, meinem besten Kumpel, einem Labrador. Einmal habe ich mit einem Hund aus der Nachbarschaft gerauft, einem Schäfer. Aber der war mir dann etwas zu grob. Da musste ich ihm kurz mal meine Meinung geigen. Ich bin zwar klein und herzig. Aber so etwas kann ich auch! Seither meide ich Schäfer ein bisschen. Und dass nicht alle Labradore nett mit mir sind habe ich auch schon gelernt, als mich auf einem Spaziergang ein Labrador gepackt hat, bloss weil ich ihn etwas beschnuppert habe. Aber zum Glück hat sein Mensch sehr vernünftig reagiert. Und ich bin ja auch sehr vernünftig und gehe Konflikten immer aus dem Weg.

AH: Ist Wanda lernbegierig?

David: Oh ja! Sie lernt wahnsinnig schnell. Manchmal muss ich wirklich aufpassen, dass sie mich nicht überlistet – so schlau ist sie. Gerade neulich beispielsweise. Im Moment muss ich sehr darauf achten, dass sie keinen Wild-Kot frisst. Der Schnee taut halt gerade bei uns und da kommt so vieles zum Vorschein. Ich muss ihr also beibringen, dass sie damit aufhört, wenn ich nein sage. Hört sie auf, kriegt sie ein Leckerli. Und da ging sie neulich in den Schnee, buddelte wie eine Verrückte, wo gar nichts lag und schaute mich erwartungsvoll an mit einem Gesichtsausdruck: «Wo bleibt mein Leckerli?»

Wanda: Naja. Das ist ja in der Regel auch nicht schwierig, ihn zu überlisten. Ich glaube einfach, dass er nicht der Hellste ist. Und das kann auch ganz schön mühsam sein. Er will zum Beispiel einfach nicht begreifen, dass das Kommando «herzig zu ihm aufschauen und mit dem Schwanz wedeln» heisst: «Jetzt sofort Zuwendung und intensiv streicheln». Alle um ihn herum scheinen das zu begreifen und befolgen mein Kommando jedes Mal – nur er nicht! Das kann doch nicht so schwierig sein. Ich habe ja sein doofes «Sitz!» mit dem ausgestreckten Finger auch innerhalb kürzester Zeit begriffen und umgesetzt. Seither mache ich das schön brav und regelmässig – wenn er es halt so will. Zugegeben. Er begreift mein Kommando auch manchmal. Aber eben nicht immer. Und daher würde ich es eher als Zufallstreffer werten. Manchmal ignoriert er es oder versteht es eben nicht und starrt weiter auf sein klappbares Brett von dem die eine Seite furchtbar flimmert und er auf der anderen Seite wie verrückt mit den Fingern rumhackt. Als ob das jetzt wichtiger wäre, als sich mit mir abzugeben. Sagen Sie selbst. Ist das denn hundemöglich?

AH: Naja. Ich würde sagen, es ist eben menschenmöglich.

Wanda: Genau! Das war der Begriff, den ich gesucht habe. Men-schen-mö-glich! So was kann nur Menschen in den Sinn kommen! Auf so ein blödes Ding zu starren, wo man doch viel schönere Sachen machen könnte.

AH: Gibt es weiteres Verbesserungspotenzial?

Wanda: Oh, ja! Zum Beispiel: Wenn er dann endlich einmal von diesem eigenartigen Flimmerbrett weggeht und mit mir raus möchte – er sagt ja dann auch noch extra: «Komm Wanda! Wir gehen raus» - dann bin ich sofort bereit, springe vom Sofa und renne wedelnd zur Türe. Soweit so gut. Aber dann dauert es, bis auch er endlich bereit ist. Erst rennt er noch durch die ganze Wohnung und in jedes Zimmer. Keine Ahnung, was er da noch macht. Und dann wenn er endlich bei der Türe ist, wo ich schon längstens warte, dann muss er sich doch tatsächlich noch so eine Art zweite Hinterpfoten überziehen und mit den Vorderpfoten schlüpft er in ein eigenartiges zweites Fell. Und auch auf den Kopf stülpt er sich ein zweites Fell. Und dann muss ich noch «Sitz» machen und er macht die Leine am Halsband fest. Dann kann es endlich losgehen. Dabei wäre ich schon eine halbe Ewigkeit bereit gewesen.

AH: Aber Positives gibt es schon auch zu berichten?

Wanda: Das mit dem Futter hat er schon ganz gut hingekriegt. Anfangs wollte er mich drei Mal am Tag füttern. Was soll das? Ich bin doch kein Mensch! Als ich das Futter am Morgen ein paar Mal stehen lassen habe, hat er endlich begriffen. Seither gibt er mir am Mittag und am Abend Futter. Ich mag einfach am Morgen noch nicht essen. Aber schön am Morgen ist, dass er aufsteht, dann sein Futter bereit macht und dann zu mir aufs Sofa sitzt und mich begrüsst. Allerdings für meine Begriffe viel zu wenig lang. Er setzt sich dann an den Tisch und nimmt sein Futter ein. Was ich etwas unheimlich fand am Anfang war, dass da andere Menschen in der Wohnung sein müssen. Die habe ich aber noch nicht entdeckt. Sie reden und sie singen. Und sie fangen immer am Morgen damit an, wenn er in der Küche ist und hören den ganzen Tag fast nicht mehr auf.

AH: David, wolltest du eigentlich noch etwas sagen?

David: Nein! Eigentlich ist jetzt alles gesagt.

https://youtu.be/-mr0NTWEAiQ

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