Erfahrungsbericht von Chess-2 aus Spanien

.06.2020

Seit etwa anderthalb Jahren darf Chess nun bei mir sein. Ganz verängstigt wurde mir Chess übergeben. Zusammengekauert hat er nach Nähe und Schutz gesucht. Zum Glück hat er sich von Anfang an mit Helki (dem Hund meiner Eltern) und Nyakas (dem Hund meiner Schwester) verstanden. 

Chess hat vom alltäglichen Leben nichts gekannt. Stubenrein war er auch nicht, doch nach 3-4 Pfützen im Wohnzimmer war dieses Thema schon erledigt. Fremde Menschen im Haus waren weniger schlimm als Menschen draussen auf dem Spaziergang. Männern gegenüber ist er jedoch immernoch teilweise sehr kritisch. Frauen, Kinder und Katzen waren eher kein Problem. Die Spaziergänge waren zu Beginn eher Stress für Chess. Velos, Kinderwagen oder auch nur Fussgänger machten ihm Angst. Er konnte aber zum Glück sehr schnell Vertrauen zu mir fassen, wodurch ich ihm die Angst vor den „Monstern“ nehmen konnte. Er sucht auch heute noch Schutz bei mir, wenn er sich fürchtet, was mittlerweile nur noch bei einigen fremden Hunden der Fall ist. 

In Spanien war die Pfote von Chess schon operiert worden. Doch als er zu mir kam, war relativ schnell klar, dass nicht alles gut ist. Die Pfote war krumm und beim Laufen kam es zu einer Fehlbelastung. Nach längerem Liegen konnte er die Pfote nicht belasten. Daher haben wir dies abgeklärt und mussten den Bruch leider erneut operativ korrigieren. Im Februar war Chess gekommen und wir arbeiteten an den alltäglichen Sachen. Da wir schon im April die zweite Operation hatten, konnten wir nicht gleich weiter üben. Selbstverständlich durfte Chess nicht weit gehen und auch nicht mehr spielen. Es klappte jedoch besser, als erwartet. Nach einigen Wochen Schonung und Physiotherpie wurde die Pfote immer besser. Heute geht es ihm gut. Die Beweglichkeit wird nie die Selbe sein, aber er kann ohne Beschwerden seinen Alltag bestreiten. 

Heute machen wir gemeinsam Spass Sport. Bei Suchspielen und der Arbeit geht Chess vollkommen auf. Er spielt auch sehr gerne mit Helki, der sich beinahe immer überreden lässt. Auch selbstständige Spiele sind für Chess immer toll. Er wirft sich gern sein Spielzeug weg, um es selbst wieder zu holen. 

Die Monster auf der Strasse sind mittlerweile beinahe verschwunden. Einzig in der Dämmerung oder Dunkelheit oder wenn sich Menschen ungewöhnlich bewegen, ist er unsicher und bellt die Gespengster an. Teilweise werden Hunde noch angebellt, dies legt sich jedoch immer mehr. Auch alleine zu Hause zu sein, musste Chess zuerst lernen. Langsames aufbauen und ihm vermitteln, dass ihm alleine nichts geschieht und ich immer wieder zu ihm zurück komme, war dabei sehr wichtig. Teilweise war es vielleicht eine Minute, die ich drausen sein konnte, ohne dass Chess Stress hatte.

Bei der Überlegung einen Hund aus dem Tierschutz bei sich aufzunehmen, muss man sich einfach bewusst sein, dass es eine Wundertüte ist. Man weiss nie, welche Erfahrungen das Tier bereits gemacht hat. Viel Geduld ist gefragt. Ich hatte das Glück, dass Chess mir schnell vertraute und sich daher relativ schnell positive Entwicklungen zeigten. Der Aufwand und die Geduld lohnen sich aber auf jeden Fall. Es kommt so viel Liebe und Dankbarkeit zurück und ich würde Chess niemals wieder hergeben. 
 
Beste Grüsse von Chess :) 

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