Erfahrungsbericht von Kiba neu Emma aus Ungarn

.08.2020

Unser gemeinsames Abenteuer begann vor rund eineinhalb Jahren; drei Monate nachdem meine jahrelange Hündin an meiner Seite und «Partnerin in crime» namens Benita, verstarb.

Ein Leben ohne Hund? Ohne morgendliches Erwachen mit einem feuchten Stups mit der Schnauze? Ohne ausgedehnte Spaziergänge, abenteuerliche Hundetreffen, herzlich-inniges Knuddeln ohne Ende? Nun, ich gestehe, dass mir etwas nicht gefehlt hat; jenes tägliche ein-bis zweimalige Saugen unzähliger sich verselbständigter Hundehaare in allen möglichen und unmöglichen Ecken meines Zuhauses. Dies als ein Grund, mir keinen neuen Lebensbegleiter anzuschaffen? Nein! Auf keinen Fall!

So kam es, dass ich mich während einer schlaflosen Winternacht um halb drei Uhr morgens auf die Suche nach einem neuen Vierbeiner im Internet machte. Gesagt getan, Animal Happyend erschien. Ein gutes Omen, wie ich dachte. Ich klickte mich durch viele berührende Hundeblicke. Und blieb hängen – bei Kiba.

Ich empfand Kiba’s tiefen Blick als irgendwie verloren, traurig und «verschüpft». Ich tippte auf das Video und sah ein unbändiges Bündel an Freude, energiegeladen um ihre Betreuer herumrasend. Las ihre Geschichte, dass sie mit ihren Geschwistern im Heim in Ungarn abgegeben wurde, darauf wartend, nach bald einem Jahr im Tierheim ein Daheim zu finden.

Die Gefühle in mir regten sich; ein JA machte sich breit. Jenes untrügliche sich sicher sein. Ich will. Ich möchte genau diesem berührenden Energiebündel mit wirrem Wust an Haaren und tiefen, grossen Hundeaugen ein Zuhause schenken. Sie, Kiba muss es sein.

Und sie wurde es.

Ein paar Monate nach Sichten meiner vierbeinigen «Liebe-auf-den-ersten-Blick» durfte ich Kiba in Empfang nehmen. Nach langem strapaziösem Tiertransport kam sie zusammen mit vielen Artgenossen in Wädenswil an. Gespannt und voller Vorfreude warteten eine Menge zukünftiger Hundebesitzer auf ihre auserwählten Vierbeiner.

Meine Gefühle während des ersten persönlichen Anblicks dieses so hübschen, strubbeligen, unsicheren Wesens sind schwerlich zu beschreiben. Ehrlich gesagt konnte ich meine Tränen kaum zurückhalten. Überrannt von freudigen Emotionen durch und durch nahmen meine Tochter Valérie und ich Kiba liebevoll in Empfang.

Und aus Kiba wurde EMMA.

Emma ist das Beste, was mir seit langem in meinem Leben passiert ist; aus jenem «verschüpften» traurig blickenden Wesen wurde eine unglaublich lebensfreudige, selbstbewusste, agile, frech-freundliche, äusserst «natürlich-gehorsame» Hündin.

Sicherlich waren die ersten Monate schwierig, da sie als grundsätzlich zurückhaltende Hündin bis heute gegenüber allem Neuen Angst zeigt. Und sie kannte vieles nicht. Laute Städte, Menschenmengen, Verkehrsgetöse. Flugzeuge. Treppen. Insbesondere mit spiegelnden Steinböden hadert sie; ein Gang durch Luzerns Bahnhof im Untergeschoss ist ihr ein Gräuel. Dunkle Tor-Einfahrten verursachen ihr grosse Angst und Autofahrten sind für Emma kein bevorzugtes Fortbewegungsmittel.

Von Anfang an liess mich Emma spüren, wenn sie für Nähe bereit war. Dies benötigte oft viel Zeit. Doch genau diese respektvolle Abgrenzung brachte uns nahe.

Vertrauen zu ihr musste erarbeitet werden. Zeit, Ruhe und ein Blick in ihre Augen sind mir bis heute «Gradmesser»; ist sie «bereit» für Nähe? Benötigt sie Ruhe? War ich zu forsch, zu laut? Überschritt ich ihre Grenzen?

All dies mag übertrieben erscheinen, doch ist Emma für mich nicht lediglich ein Haustier; sie ist mir «Spiegel», und zeigt sehr klar meine Haltung auf, was ich ihr gegenüber besser tun oder eben lassen sollte. Anstrengend? Nein. Ich gehe vom Grundsatz aus, dass ich lebe, um zu lernen, an mir selbst zu arbeiten und weiterzukommen. Und genau hierbei hilft mir Emma. Und alle anderen wundervollen Hunde vor ihr.

Und da ist Liebe. Viel, viel Liebe und Freude.

Emma verbringt täglich mehrere Stunden mit ihrem wundervollen, treuen Freund Bailey, der Hund meiner Tochter, welcher wie sie auch aus einem ungarischen Tierheim stammt; so wird gemeinsam gespielt, gerauft und die Katzen werden gehörig auf Trab gehalten, während ich meiner Arbeit nachgehe.

Apropos «Katzen»: Emma lebt im «Familien-Rudel» mit drei alteingesessenen Katzen ohne jegliche Probleme zusammen. Da wird gekuschelt, geputzt und manchmal auch geneckt. Bisweilen begleitet uns mindestens eine Katze auf dem abendlichen Gassi-Gang.

Eine weitere unglaublich positive Eigenschaft von Emma ist, dass sie null Komma null aggressives Verhalten zeigt. Klar bellt sie, wenn sich jemand zu nahe an unserem Zuhause bewegt; natürlich zeigt sie ihre weissen Eckzähne, treibt es Hunde-Freund Bailey zu bunt und klaubt ihr den Knochen. Aber sonst? Nichts. Nada.

Emma ist (m)ein Wohlfühlhund. Mein Lebensfreude-Elixir. Sie ist mir Ost, West, Süd und Nord. Zeigt mir meine Schwächen, aber auch Stärken auf. Ich gebe. Und erhalte. Viel, ganz viel (Emma-)Liebe.

Ich gestehe, dass mich diese bezaubernde Hundedame zu einem besseren Menschen gemacht hat. Und zu einem Glücklicheren, glauben Sie mir!

Und genau dies wünsche ich von Herzen jedem aktuellen und zukünftigen Hundebesitzer!

Ein dankbares, riesiges Dankeschön an euch, liebes animal-happyend-Team!

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