Erfahrungsbericht von Narla aus Ungarn
Publiziert: Freitag, 05.01.2024
Als ich Narla das erste Mal auf einem Foto sehe, trifft mich ihr Blick ins Herz.
Ich finde sie auf der Internetseite von Animal-Happyend unter der Rubrik «ohne Worte»:
Narla mit grosser Wucherung am Bauch - Animal Happyend (animal-happyend.ch)
Eine sehr alte Hündin mit einer grossen Wucherung am Bauch. Mir kommen die Tränen. So alt, unerwünscht und wahrscheinlich nur noch eine kurze Lebenserwartung. Ich zeige sie meinem Mann und er ist zu meiner Überraschung sofort bereit ihr einen Gnadenplatz zu bieten.
Wir kontaktieren das Animal-Happyend Team und erfahren, dass sie noch nicht mit dem nächsten Transport reisen kann, da ihre Impfungen noch nicht lange genug her sind. Wir müssen also 6 Wochen auf ihre Ankunft warten, immer in der Hoffnung, dass sie diese Zeit überhaupt überlebt im Tierheim in Ungarn.
Wir nehmen sie an einem heissen Sommertag Ende August entgegen. Mit im Auto unser Hund und der aktuelle Pflegehund.
Narla will auf der Heimfahrt auf meinem Schoss sitzen. Ängstlich ist sie jedenfalls nicht, aber stinken tut sie fürchterlich
Zuhause stellen wir fest, dass sie überraschend gesund wirkt, sie lässt sich von den beiden grossen Hunden überhaupt nicht einschüchtern. Sie scheint einen total ausgeglichenen Charakter zu haben. Sie nimmt jeden Tag so wie er kommt, geniesst es zu essen, kuscheln und zu spazieren, in dieser Reihenfolge. Am liebsten legt sie sich aufs Sofa neben mich, mit ihrem Kopf auf dem Schwanz unseres Schäferhundes als Kissen und ignoriert sein unwilliges Gebrummel.
Bald verstehen wir auch wieso, sie ist nämlich taub.
Nach 2 Tagen, in der wir sie liebevoll «unsere Stinkmorchel» nennen, halten wir es nicht mehr aus und baden sie, was sie überraschend entspannt über sich ergehen lässt. Der Geruch wird deutlich besser, doch wir merken, dass wir ihre Ohren behandeln müssen, diese sind nämlich entzündet und verursachen den Gestank.
In ihrem Mund befinden sich nur ein paar Zahnstummel und wir merken, dass an den Operationswunden aus Ungarn immer noch Fäden drin sind, welche sie schmerzen. Wir besuchen also unsere Tierärztin, welche von der kleinen Narla begeistert ist. Narla versprüht einen grossen Charme, wir erleben noch oft wie die Leute sich zu ihr umdrehen und anfangen zu strahlen.
Narla geniesst ihr neues Leben in vollen Zügen: Längere Spaziergänge mit ausgiebigem Schnüffeln, Kuscheln mit uns und den Hunden, Fressen und Kauknochen nagen, gebürstet werden, sie kann kaum genug bekommen. Wir fragen uns jeden Tag, wie ein Hund mit so wenig Zähnen noch so schnell Kauknochen vernichten kann 😊
Wir sind positiv überrascht, wie gut es ihr gesundheitlich geht, freuen uns mehr Lebenszeit mit Ihr verbringen zu können, als wir initial gedacht hatten, da fängt sie an zu hinken. Immer stärker werden ihre Schmerzen, keine Behandlung schlägt an, Arthrose plagt sie. Wir kaufen ihr einen Hunde-Trolley, von jetzt an wird sie auf den langen Spaziergängen mehrheitlich gefahren, auch wenn ihr das nicht besonders passt, Sie möchte am liebsten an jedem Grashalm schnüffeln können. Überhaupt ist sie sehr selbstständig und mag es nicht, dass ich sie jetzt die paar Stufen in den Garten tragen muss. Auch auf das Sofa kommt sie trotz Treppe nicht mehr immer selbstständig hoch.
Sie wird schnell schwächer, ich vermute, es liegt nicht nur an der fehlenden Bewegung, sondern auch daran, dass ihr Krebs zurückgekehrt ist und ihre Organe altershalber einfach nicht mehr so gut funktionieren. Vor Weihnachten wird Ihr Bauch immer grösser und unförmiger. Sie schläft immer mehr. Nur wenn es Futter gibt, wird sie kurzzeitig aktiv und rennt plötzlich wieder ein paar Schritte Richtung Napf.
Die Silvesterknallerei kann sie als tauber Hund gut ignorieren und sie übersteht noch den Jahreswechsel, doch wir merken, es geht zu Ende. Sie frisst kaum noch und bewegt sich noch weniger. Sie scheint keine Schmerzen zu haben, sondern döst vor sich hin.
Am 4. Januar kommt die Tierärztin zu uns nach Hause und erlöst sie.
Narla war nur gut 4 Monate bei uns, doch sie hat unser Leben sehr bereichert. Wir haben jeden Tag mit Ihr genossen, ihre Lebensfreude berührte unser Herz.
Wir hoffen, dass viele Leute sich ein Herz fassen und einem sehr alten Hund für seine letzten Tage/Wochen/Monate ein Zuhause geben. Diese Hunde sollten nicht in einem kalten Zwinger in Ungern sterben müssen sondern die letzten Monate in der Wärme verbringen, in einem eigenen Körbchen, umsorgt und geliebt.
Kommentare
Kommentar von Alba Rothlin |
Vielen Dank für diesen wundervollen und zum Schluss auch traurigen Bericht und, dass sie Narla für kurze Zeit ein warmes und liebes Zuhause ermöglicht haben. Ja, es lohnt sich, solchen Hunden einen schönen und sicheren Lebensabend zu schenken.
Kommentar von Alba R. |
Vielen Dank für diesen wundervollen und zum Schluss auch traurigen Bericht und, dass sie Narla für kurze Zeit ein warmes und liebes Zuhause ermöglicht haben. Ja, es lohnt sich, solchen Hunden einen schönen und sicheren Lebensabend zu schenken.
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