Erfahrungsbericht von Sari aus Ungarn

.10.2024

Als Pflegestelle sind wir inzwischen gewohnt eine Auswahl zu treffen aus den vielen Hunden im Menhely und wir vermeiden es eine zu tiefe Bindung einzugehen, damit wir sie dann auch wieder loslassen können wenn sie in ihr «für-immer-Zuhause» ziehen. Doch ab und zu erscheint ein Photo eines Hundes auf der Internet Seite von Animal-Happyend, welches mich besonders berührt. Sari war so ein Hund, sie ging mir direkt ins Herz. Eine alte Hündin, wahrscheinlich ein Hütehund, gross, knochig, ein wunderbar silbrig/beiges Fell mit dunklen  Ohren und Schnauze. Gefunden in einem Strassengraben liegend nach einem Autounfall mit ausgerenkter Hüfteund einem Bruch, grosser Bauchwandhernie und Wunden am Kopf.

Natürlich wurde sie im Tierheim sofort behandelt. Das Bein wurde eingerenkt, die Wunden versorgt, doch war sie zu schwach und dünn für die notwendige Operation am Bauch. Der Tierarzt fand noch entzündete Ohren, einen alten, unbehandelten Beinbruch, Arthritis und einen Mammatumor. Sie kam mit der Situation im Tierheim trotz aller Bemühungen nicht zurecht, gab auf, wollte sich nicht mehr bewegen, kaum essen. Ein Tierheimmitarbeiter hat sich besonders um sie gekümmert. War oft bei Ihr, hat mir ihr gesprochen und ihr Essen von Zuhause mitgebracht, doch sie wollte sterben.

Dann sah ich ihr Bild, ihre Augen und wollte ihr unbedingt helfen. Aber macht das Sinn? Kann sie die anstrengende Reise überstehen? Helfen wir ihr damit oder sollte sie besser in Ruhe gehen dürfen? Nach vielen E-Mails zwischen Animal-Happyend, dem Tierheim und uns beschlossen wir es zu wagen. Wir holten Sari Ende April vom Transport in Wädenswil ab, sie war so schwach, dass sie sich kaum auf den Beinen halten konnte um sich endlich, nach vielen Stunden des Transportes zu erleichtern. Wir luden sie in unser Auto auf den Rücksitz, sicherten sie, sie liess alles erschöpft mit sich machen. Zuhause war sie kurz unruhig, schlief dann für mehrere Stunden mitten im Wohnzimmer. Die nächsten Tage war sie nur erschöpft, verwirrt und wusste nicht, wie ihr geschah.

Wahrscheinlich war sie das erste Mal in einer Wohnung. So viel Menschenkontakt war ihr suspekt. Spazierengehen war ihn unbekannt, doch wurde sie innert 2 Tage stubenrein, konnte sie doch jederzeit in unseren Garten. Nach ein paar Tagen fing sie an die Spaziergänge draussen zu geniessen, alles zu erschnuppern und bald auch alles zu markieren. Auch wenn ihr das mit dem Bein heben, immer wieder misslang, war sie auf 3 Beinen einfach zu schwach, so probierte sie es doch immer wieder 😊, was zu lustigen Verrenkungen und Hüpfern führte. Sie fand heraus, dass sie höher markieren konnte, wenn sie sich mit den Hinterbeinen auf einen Stein stellt und so blieb dies dann ihre Art eine Ansage an die anderen Hunde zu platzieren. Nach 2 Wochen war sie angekommen, Sie genoss die weichen Hundebetten, das regelmässige Essen, wurde von Tag zu Tag stärker. Bald schlief sie in unserer Nähe im Schlafzimmer und ganz, ganz langsam fing sie auch an Berührungen zu geniessen. Anfangs nur kraulen hinter den Ohren, nach ein paar Wochen zeigte sie uns dann sogar ihren Bauch. Wir stellten sie unserer Tierärztin vor und sie meinte, dass man nicht viel tun könne wegen der Bauchwandhernie und dem Tumor, wir sollen ihr einfach eine gute Zeit geben und wenn notwendig mit Schmerzmitteln unterstützen.

So erlebten wir zusammen einen wunderschönen Sommer. Sari wurde immer aktiver, stärker, ihr Fell glänzte silbern und ich liebte es meine Hände in ihrer langen, seidigen Mähne am Hals zu versenken. Wenn wir eine Katze trafen, wollte sie sie verfolgen, doch nach ein paar Galopp Sprüngen ging ihr die Puste aus und so verlegte sie sich darauf Katzen sehr intensiv zu mustern. Sari fand ihren besten Hundekumpel in der Nachbarschaft und wenn sie den Senior traf, so verwandelte sie sich in eine jugendliche und forderte ihn mit Sprüngen zum Spiel auf, auch wenn man sehr bald merkte, dass sie eigentlich gar keine Kraft mehr hatte.

Nach einiger Zeit erinnerte sie sich daran, dass sie ein Hütehund war und fing an unseren Garten zu bewachen. Jedem Hund, der in der Nachbarschaft bellte, musste geantwortet werden und klar gemacht werden, dass ihr das Quartier gehörte. Sari hatte oft Schmerzen in der Hüfte und hatte immer wieder Mühe Kraft zu finden, doch sie ignorierte ihre Wehwehchen und genoss jeden einzelnen Tag mit allem, was sie hatte. Unsere Spaziergänge wurden kürzer, doch sie bestand darauf alle paar Stunden ihr Revier abzulaufen, zu kontrollieren und zu markieren. Sari wurde zu meinem Seelenhund, ich fand es ok, dass sie mich jede Nacht 1-mal weckte um raus zu gehen und genoss die Runden in den milden Sommernächten unter dem Sternenhimmel (Wenn es regnete ging Sari in der Nacht nur ein paar Schritte raus um sich zu erleichtern und wollte dann gleich wieder ins Bett.)

Sie erlebte die wohl besten 5 Monate ihres Lebens, bis sie eines Tages plötzlich starke Schmerzen hatte. Die Tierärztin bestätigte eine Gebärmutterentzündung. Eine Operation war wegen ihren vielen gesundheitlichen Baustellen nicht möglich und die Antibiotika schlugen nicht an. Wir entschieden traurig, dass wir ihr nicht noch mehr Schmerzen zumuten wollten und liessen sie Anfang Oktober bei uns zuhause einschläfern.

 

Sie wird immer einen Platz in meinem Herzen haben.

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Kommentare

Kommentar von C.W. |

Es ist einfach unglaublich toll,dass es Menschen gibt,die einem kranken ,alten Hund noch so eine schöne letzte Zeit bescheren…immer im Wissen,dass es sehr wahrscheinlich nicht für lange sein wird..das muss man aushalten können…ich auf jeden Fall ziehe den Hut vor solchen Leuten..

Kommentar von Sandra |

Wunderschön zu hören, dass Sari ihre letzte Zeit mit soviel Liebe erleben durfte. Zu Tränen gerührt habe ich den Bericht gelesen.
Es ist einfach nur schön, dass es solche Menschen gibt, die einem alten kranken Hund noch einen solchen Lebensabend ermöglichen.

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