Besuch von Ramona Piosik, Simone Gloor, Marcel Schibli und Marlies Möckli Schibli vom 27.7. - 3.8.19 im Tierheim Menhely in Ungarn

10.09.2019 (Kommentare: 0)

Die Fahrt nach Ungarn schien uns endlos – dafür erwies sich unsere Unterkunft als idyllisch. Nach einem Ruhetag ging es dann ins Tierheim Menhely in Kecskemét. Marcel und ich waren gespannt, was uns erwartete und wie wir mit den Eindrücken würden umgehen können, war es doch unser erster Besuch im Tierheim . Von den ungarischen Betreuerinnen und Betreuern wurden wir herzlich empfangen. Leider verstehen wir kein Ungarisch und nur wenige von ihnen sprechen Englisch. Beim Rundgang wurden wir sehr positiv überrascht, wie sauber die Gehege waren und wie gut zu den Hunden geschaut wird. Das Personal des Tierheims versucht, den Bedürfnissen der Tiere so gut es geht, gerecht zu werden, was natürlich mit ca. 350 Hunden eine Herausforderung ist. Vielen Kettenhunden in Ungarn geht es schlechter, als den Hunden im Tierheim! Uns ist auch aufgefallen, wie liebevoll die Mitarbeitenden des Tierheims mit den Hunden umgehen.

Fast täglich gingen wir mit den Hunden spazieren, waren mit ihnen im Auslauf oder gingen direkt in das Gehege. Die meisten Hunde kamen sofort und drängten sich um uns, damit sie etwas Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten erhielten. Nachdem die forscheren Hunde zum Zug gekommen waren, versuchten wir, auch die scheueren Hunde für unsere Zuwendungen zu begeistern.
Den Hunden ein Halsband für den Spaziergang anzuziehen, war häufig eine schwierige Aufgabe! Alle drängten sich vor und sprangen aufgeregt herum. Sobald dann die Hunde angeleint waren, ging es zwischen den Zwingern zum Ausgang. Dies sorgte für eine grosse Unruhe und ein Riesengebell, für einige Hunde war es ein wahrer Spiessrutenlauf. Einmal draussen, warfen sich fast alle Hunde zuerst voller Freude und Energie in die Leine. Nach einiger Zeit beruhigten sie sich und bemerkten, dass da ja jemand am anderen Ende der Leine war, der sie auch streichelte und kraulte.
Wir hatten schönes und sehr heisses Wetter, was auf den Fotos sichtbar wird: Man sieht viele Hunde mit heraushängender Zunge!
Ramona und Simone konnten einige Hunde noch genauer kennenlernen, auch machten wir viele Fotos und Videos. Wir hoffen, dass mit diesem zusätzlichen Material die Hunde eine bessere Vermittlungschance haben.

Waren letztes Jahr eher Flöhe für die Hunde ein Problem, sind es dieses Jahr Stechfliegen. Sie lieben die Ohrspitzen der Hunde und stechen sie blutig, was dann noch mehr Fliegen anzieht. Einige Hunde litten sehr stark unter diesen Plagegeistern.

Sehr interessant war am Dienstag der Besuch der Schreinerei, wo die Hundehütten herstellt werden, welche jeweils an Hundehalter verteilt werden. Sie werden manuell hergestellt und sind stabil und dauerhaft. Am Nachmittag wurden gleich zwei Hütten verteilt. Zwei grössere Hunde wurden zur Bewachung eines Areals mit verschiedenen alten Anhängern gehalten. Leider waren sie an einer recht kurzen Kette mit wenig Schutz vor der Witterung, immerhin scheinen sie regelmässig gefüttert zu werden. Shanji, der Tierheimmitarbeiter, nahm der Besitzerin das Versprechen ab, dass die Hunde eine längere Kette erhalten. Hoffen wir, dass dies auch geschieht!

Am Donnerstag wurden etwa zehn Hunde aus der Tötungsstation Kecel geholt und ins Tierheim gebracht. Beim Ausladen wurde sogleich die erste Impfung verabreicht, ein Foto gemacht und natürlich das Tier erfasst. Bei den meisten Hunden ging das problemlos, sie liefen dann auch recht ruhig an der Leine zum Zwinger. Zwei Hunde mussten mit der Fangstange zum Zwinger gebracht werden. Sie wehrten sich und bissen wild um sich. Auch diese wurden ruhig und bestimmt - mit kurzen Pausen, damit sich der Hund etwas beruhigen konnte, - in ihr neues Gehege gebracht. Sie können nicht wissen, dass sie nun weiterleben dürfen und eine Zukunft haben, die besser als ihr bisheriges Leben sein wird.

Auch wenn es den Hunden im Tierheim recht gut geht, sieht ein glückliches Hundeleben anders aus. Im Heim ist es lärmig, scheue Hunde kommen zu kurz, auch mit Auslauf und Spaziergängen ist der Tierheimalltag doch sehr eintönig. Hunde kommen und gehen, dadurch ändert die Rudelzusammensetzung ständig, was immer Stress für die Tiere bedeutet. Wenn die Hunde ans Gitter kommen, dann bellen und winseln sie: «Streichle mich, nimm mich mit!», was wir am liebsten auch getan hätten!

In dieser Woche waren Freud und Leid ganz nah zusammen, und wir nehmen viele schöne und auch einige traurige Erlebnisse mit, die unvergesslich sind. Vom Tierheimteam verabschiedeten wir uns herzlich und traten am anderen Tag unsere lange Fahrt nach Hause an.

Marlies Möckli Schibli

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