Einsatz vor Ort in Ungarn

07.09.2013 (Kommentare: 0)

Einsatz in Ungarn vom 31. August bis 7. September 2013

Erfahrungsbericht Denise Felder

Durch meine Hündin Keefa aus Spanien, vermittelt durch animal-happyend, bin ich „auf den Hund“ gekommen. Im Rahmen der Ausbildung als Hundemanagerin entschied ich mich für ein Praktikum in der Station Ungarn in Keskemet. Die Lebenssituation der Hunde in einigen Ländern des Ostens war mir durch eine Veloreise von der Schweiz nach Indien bekannt. Da gab es täglich viele Begegnungen mit vier Pfoten am Strassenrand.

Nicole Hugener, die Einsatzleiterin und Ornella Pineroli, die Kontaktperson in Ungarn, haben innerhalb von zwei Tagen meine Teilnahme inklusive Unterkunft in Ungarn ermöglicht. Durch die umfassende Dokumentation zu einem Tierschutzeinsatz konnte ich mich anschliessend optimal auf den Einsatz vorbereiten.
Die Anreise im Nachtzug nach Budapest war komfortabel und die Weiterreise eine kurzweilige Einstimmung auf Ungarn. Bei Ornella traf ich auf die weiteren Helfenden, Nicole, Silvia und Bruno.

Am Sonntag machten wir die erste Besichtigung des Tierheimes vor Ort. Wir lernten die Mitarbeitenden kennen und durften anschliessend das Areal besichtigen. Aufgeregte Hunde mit sehnsüchtigen Blicken schauten aus den Zwingern in der Quarantänestation, die von ein bis zwei Hunden besetzt waren. Sie sind häufig von der Ankunft bis zur Impfung in den kleinen Zwingern, nach der Kastration, wenn sie noch in medizinischer Behandlung sind oder sich mit anderen Hunden nicht vertragen. In grösseren Zwingern mit Auslauf waren bis zu  sechs Hunde zusammen untergebracht. Aus der Welpenstation ertönte wimmern und miauen. Es werden neu auch vereinzelt Katzen aufgenommen. Kaum waren wir da, sassen wir bereits mit einer Gruppe junger Hündinnen im grossen Auslaufgehege und wurden stürmisch beschnuppert, beleckt und zum Spiel aufgefordert. Schnell hatte ich einen Sitzplatz in der Mitte der Wiese gefunden, wo ich in den folgenden Tagen mit den Hunden schmuste, Fellpflege anbot und ängstliche Tiere mit Leckerli und Lachspaste ermutigte. Ich war überwältigt, wie fast ausnahmslos zutraulich und neugierig die Hunde waren. Irgendwie hatte ich ein Bild von verängstigten, verwilderten Hunden vor Augen. Die gab es natürlich auch, aber nur vereinzelt. Unsere Hauptaufgabe bestand darin, den Hunden Freilauf zu ermöglichen, sei es auf ausgedehnten Spaziergängen oder im Auslaufgehege. Im Weiteren führten wir einfache Reinigungsarbeiten des Alltags aus. Das Tierheimteam war unermüdlich dabei, uns die Hunde vorzubereiten und die Fragen zu beantworten. Häufig auch in Zeichensprache, aber man verstand sich immer irgendwie. Ich hatte mir insgeheim das Ziel gesetzt, dass alle Hunde einmal aus dem Zwinger durften. Infolge Quarantäne war dies aber leider nicht möglich. So machte ich immer wieder kurze Besuche bei ihnen. Im Verlauf der Woche lernten wir auch den neuen, sehr sympathischen Tierarzt kennen. Nicole durfte auf Wunsch bei einer Kastration eines Hundes zuschauen.
Ein paar unvergessliche Momente:
    ⁃    Schmusen und Spazieren mit den amerikanischen Bulldoggen Diana und Dana.
    ⁃    Fater (Mitarbeiter des Tierheimes) kuschelt mit dem ängstlichen Mastiffmix Maci, der noch keine Nähe zu anderen zulässt.
    ⁃    Kuscheln mit fünf mutterlosen Welpen in ihrem Zwinger.
    ⁃    Der ängstlichen, bissigen Boni dürfen wir mittels Narkose die langen Zotten schneiden (1,5 Kg Filz!). Am nächsten Tag ist sie aufgestellt und handzahm.
    ⁃    Beobachtung wie Anka und andere Hunde täglich zutraulicher werden.
    ⁃    Liebevolle Gesten und Streicheleinheiten aller Mitarbeitenden im Umgang und in der Pflege der Hunde.

Das Tierheim ist für die Notaufnahme von Hunden der Stadt zuständig, die von der Tierpolizei gemeldet werden. Am letzten Tag durfte ich Schandor, der seit ca. drei Jahren „Hundejäger“ ist, bei drei Einsätzen begleiten. Um neun Uhr hatten wir den ersten, geplanten Einsatz. Eine streunende Hündin hatte in einem Vorortquartier im Vorgarten in einem Gebüsch unter einer Betonplatte ihre Welpen einquartiert. Ein Mann aus dem Quartier konnte die Hündin anlocken und anschliessend wurden die fünf kleinen Welpen mit noch geschlossenen Augen geborgen. Es war eindrücklich im Tierheim zu verfolgen, bis sich die verängstigte Mutter wieder um die Welpen sorgte. Beim zweiten Einsatz wurde gemeldet, dass sich ein Hund auf einer vielbefahrenen Kreuzung aufhielt. Wir fanden ihn vor. Als wir uns dem Hund näherten, flüchtete er in die grosse Mittelinsel des Kreisels. Die Gefahr dass der Hund in ein Auto rennen würde war zu gross. Der Tierarzt wird das Tier mit einem Schuss bei einem weiteren Einsatz betäuben müssen. Beim letzten Einsatz suchten wir erfolglos einen Streuner in der Peripherie. Es war in der Zwischenzeit sehr heiss geworden. Der Hund lag wahrscheinlich an einem Schattenplatz. Der Melder wurde aufgefordert anzurufen, sollte das Tier wieder auftauchen. Für Schandor war es für den weiteren Einsatz wichtig zu wissen, in welchem Gebiet sich der Streuner aufhielt.
An Spitzentagen

Die Tage vergingen viel zu schnell. Wir hatten wahnsinniges Wetterglück und fragten uns auch mal wie es wäre, wenn es regnet und kalt ist.

Am Abreisetag waren wir schon früh im Tierheim, denn es war Samstag und Mentorprogramm. Das wöchentliche Highlight der Hunde, denn sie können mit Besuchern ins Freilaufgehe oder spazieren gehen. Die ersten Personen waren schon um 9 Uhr da. Unter der Woche kamen auch immer wieder Leute vorbei, die sich Hunde anschauten. Die Zeit ging unwahrscheinlich schnell vorbei. Wir machten noch ein Gruppenfoto und zwei Hunde wurden für die Reise in die Schweiz vorbereitet. Jàsmin, eine wunderschöne, temperamentvolle Hündin und Tevi ein Welpe, haben ein neues Zuhause gefunden.
Es gibt einen herzlichen Abschied zwischen Hunden und Menschen. Am morgen früh hatte ich bereits meinen letzten  Rundgang bei den Hunden gemacht und sie nochmals geknuddelt. Ich spürte langsam, dass ich wieder Distanz brauchte, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

Bei Ornella im Garten verbrachte ich die letzte Stunde mit den glücklichen Hunden beim Zwischenstopp in Richtung neuer Heimat und schon bald stieg ich wieder in den Zug.

Ich bin tief beeindruckt von den vielen Menschen, die sich in Ungarn und in der Schweiz für das Wohl und die Gesundheit der Tiere durch ihre Arbeit oder ein freiwilliges Engagement, einsetzen. Es gäbe noch so vieles zu verbessern, doch in Erinnerung bleiben mir vor allem die Bilder der tiefen Achtung der Mitarbeitenden des Tierheimes gegenüber den Tieren.

Herzlichen Dank dem ganzen Team  des Tierheimes, Ornella, Nicole, Silvia und Bruno für die tolle Zeit.

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