23. September 2018: JA zu "Wildhüter statt Jäger"

10.09.2018 (Kommentare: 0)

 
INITIATIVE "WILDHÜTER STATT JÄGER"

Die kantonale Volksinitiative hat zum Ziel, die heute gängige Hobby- oder Milizjagd abzuschaffen und sie durch ein professionelles und tierschonendes  Wildtiermanagement zu ersetzen, bei der besonders ausgebildete und ausgerüstete Wildhüter die Aufgaben der Jägerschaft übernehmen. 

Wir gehören nicht zu den Initiantinnen und Initianten, sagen aber mit Überzeugung JA zu dieser für das Tierwohl sehr wichtigen Initiative. 

Auch wenn die Jägerschaft es zum Schutz ihres Hobbys vehement verneint und nun sowohl gegen Genf als auch die Stadt Zürich schiesst: Dieses von den Initiantinnen und Initianten geforderte Wildhüter-Jagdmodell hat in der Stadt Zürich und im Kanton Genf seit Jahrzehnten Tradition und hat sich sehr bewährt, wie unsere Gespräche und Recherchen bei der Stadt Zürich und im Kanton Genf ergeben haben. Kommt hinzu: Die Genfer Bevölkerung hat sich erst vor wenigen Jahren in einer repräsentativen Umfrage erneut deutlich hinter dieses erfolgreiche Jagdmodell gestellt. Und die professionelle Jagd in der Stadt Zürich ist auch politisch unbestritten. 

Tiere werden zur Regulation der Bestände und damit zum Schutz vor Wildschäden auch in Zukunft geschossen werden müssen - das anerkennen auch  die Initiantinnen und Initianten der Initiative. Aus Tierschutzüberlegungen haben wir uns daher entschieden, die Initiative zur Annahme zu empfehlen. 

Die Initiative "Wildhüter statt Jäger" bringt den Wildtieren folgende Verbesserungen gegenüber heute: 

  • Ein Verbot der tierquälerischen Baujagd, bei der Jagdhunde Fuchs oder Dachs aus dem vermeintlich sicheren Bau treiben mit dem Ziel, dass der vor dem Bau wartende Jäger das Wildtier erlegen kann. Nicht selten führt die Baujagd zu üblen  Beissereien zwischen Jagdhund und Wildtier, oder Jagdhunde bleiben gar im Bau stecken. Ausserdem kommt es laut Jägern hin und wieder vor, dass  statt des Wildtiers der Jagdhund erschossen wird. 
  • Ein Verbot der Treibjagd. Bei Treibjagden wird auch auf Tiere in Bewegung geschossen. Beteuerungen des Präsidenten von Jagd Zürich in der Presse, dass auf Treibjagden nur auf stehende Tiere geschossen wird, sind leider nicht korrekt. Gespräche sowohl mit der kantonalen Jagdverwaltung, mit Jägerinnen und Jägern und auch eigene Erlebnisse als Beobachter an Treibjagden im Kanton Zürich zeigen sehr klar, dass sehr wohl auf bewegte Tiere geschossen wird. Das Risiko, das avisierte Tier auf einer Treibjagd nicht beim ersten Schuss tödlich zu treffen, ist aus Tierschutzüberlegungen unverantwortlich hoch. Zahlen aus Ländern mit ähnlichen Anforderungen an die Jagd zeigen folgendes Bild: Deutschland: 70% der auf der Treib-(Drück-)Jagd beschossenen Wildschweine werden nur angeschossen. Der Rest wird erst nach einer Nachsuche erlöst oder entkommt mehr oder weniger schwer verletzt und stirbt oft eines grausamen Todes. Dänemark: 25% der Füchse wurden im Laufe ihres Lebens bereits einmal mit Schrot getroffen. Kanton Graubünden: Jeder 10. Hirsch und 7% der übrigen Tiere werden nur angeschossen. Dies führt zu ausserordentlich hohem Tierleid. Übrigens: Die Befürworter der heutigen traditionellen Jagd wehren sich bisher erfolgreich gegen eine Einführung einer kantonalen Nachsuchestatistik, die die statistische Erhebung von Fehlschüssen erlauben würde. 
  • Ein Alkoholverbot. Im Rahmen der anstehenden Jagdgesetzrevision haben wir gemeinsam mit der Stiftung für das Tier im Recht eine Alkohollimite gefordert. Die Jägerschaft wehrte sich anlässlich einer gemeinsamen Sitzung mit Händen und Füssen dagegen. Mit Erfolg: Im aktuellen Entwurf des neuen Jagdgesetzes ist nichts von einer Alkohollimite zu finden, geschweige denn von einem Alkoholverbot. Nicht jeder Jäger trinkt. Dass aber während der Jagd Alkohol konsumiert wird, können wir bezeugen. Ausserdem kennen wir einen Jäger, der jeweils nur vormittags an Treibjagden teilnimmt. Über die Mittagspause würden einige seiner Kameraden derart über den Durst trinken, dass er das Risiko eines Schiessunfalls am Nachmittag nicht auf sich nehmen könne. 
  • Ein funktionierender Schutz für gesetzlich geschützte Tierarten wie die Gämse: Sie dürften nach Annahme der Initiative im Kanton Zürich nicht mehr gejagt werden und stünden - wie durch den Gesetzgeber vorgesehen - auch tatsächlich unter Schutz. Bisher gibt es kein Jagdverbot auf gefährdete oder potenziell gefährdete Wildtierarten. 
  • Ein Ende des gefährlichen Abwehrrechts: Bisher dürfen Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer zu Selbsthilfemassnahmen greifen und Wildtiere auch ohne Jagdberechtigung (und somit auch ohne jegliche jagdliche Ausbildung) auch mit der Waffe töten. Mit Annahme der Initiative würden professionelle Wildhüter solche Probleme lösen, und zwar sowohl fach- als auch tiergerecht. 

Wir hatten bereits Gelegenheit, unsere oben genannten Forderungen im Rahmen der kantonalen Jagdgesetzrevision einzubringen - an Verhandlungen am runden Tisch sowie durch die Teilnahme an der Vernehmlassung. Die Forderungen wurden in der Gruppe - bestehend aus Verwaltungsangestellten und Jägerschaft - bisher jedoch allesamt abgeschmettert. 

Möchten wir ein zeitgemässes Zürcher Jagdgesetz, das dem Tierwohl Rechnung trägt, hilft daher nur ein klares JA zu dieser wichtigen Initiative. 
Politik und Verwaltung müssen wissen, dass es der Bevölkerung Ernst ist mit dem Tierschutz, und dass dieser auch für die Jagd Geltung haben soll.


Jede einzelne Stimme zählt. Gehen  doch bitte auch Sie an die Urne! Fuchs, Reh, Hase und Co. danken Ihnen für Ihr JA! 

 

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