Reisebericht von Elisabeth McDermott

11.06.2019 (Kommentare: 2)

Eine Reise in eine andere Welt

An die Bewohner des Tierheims Menhely…

Diese Geschichte begann vor anderthalb Jahren. Im Wartezimmer meines Tierarztes habe ich den Newsletter von animal-happyend gesehen und mit nach Hause genommen. Was ich dort gelesen habe, hat mich sehr berührt. So lange schon hat mich der Tierschutz in meinen Gedanken beschäftigt. Hier bot sich nun die Gelegenheit, nicht nur im Geiste, sondern auch mit Taten zu helfen. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, den Verein zu unterstützen und inzwischen übe ich verschiedene Tätigkeiten aus.

Vor allem aber habe ich mich zur Adoption eines Hundes entschlossen: Am 23. Februar 2018 konnte ich den lieben, kleinen Malot (direkt aus Ungarn) in meine Arme schliessen. Von dem Moment an war es um mich geschehen. Aus dieser wunderbaren Geschichte heraus entstand der Wunsch, all den Malots, die im Tierheim Menhely auf ihr Glück warten, irgendwie zu helfen. Ich musste nach Ungarn reisen, wollte das Tierheim besuchen um besser verstehen zu können, wie man die beste Unterstützung vor Ort leisten könnte.

Es wurden zwei unglaubliche Tage. Der erste Eindruck war schlicht überwältigend. Man hat ja schon gehört und gelesen, aber das Elend in Wirklichkeit zu sehen, ist nochmal eine andere Dimension. All diese Augen, diese Nasen, die sich versuchen, durch das Gitter zu pressen, das Bellen. Alle wollen sie heraus, alle wollen sie mitgenommen werden. Und dann die Eingeschüchterten, die Ängstlichen, die sich nur zu verkriechen versuchen. Ja, am Anfang habe ich nur geweint, bis ich eingesehen habe (auch mit der Unterstützung von Yvonne, Yvette und Ramona) dass dies niemandem hilft.  Nachdem ich das verstanden hatte, konnte ich etwas ruhiger durch die ganze Anlage gehen und sehen, dass für diese Hunde gesorgt wird. Natürlich wünscht man sich mehr. Man wünscht sich für alle die Heimatlosen ein schönes, neues Zuhause, wo sie geliebt werden und wo sie hingehören.

Daran wird im Menhely unermüdlich gearbeitet. Doch diese Auffangstation, wo die Vierbeiner buchstäblich gerettet werden und erst mal in Sicherheit sind, braucht so viel Unterstützung, wie es nur irgendwie geht: Immer gibt es etwas zu reparieren, zu optimieren, zu helfen.

Vieles ist bereits gemacht worden: Dächer zum Schutz vor der Sonne, vor Schnee und Regen, drei grosse Auslaufgehege, wo die Tiere unter Aufsicht herumtollen können, überall stehen Wassertröge und Vieles mehr. Für uns mag sich dies für selbstverständlich anhören, aber für diese arme Geschöpfe, die meistens aus ganz unbeschreiblichen Verhältnisse kommen, ist es das nicht.  Das  Menhely ist ein ungarisches Tierheim, geleitet von Andi und Norbi. Zum Glück! Diese zwei lieben ihren Job und die Insassen - scheinen jedes Tier zu kennen. Als Bindeglied zwischen der Schweiz (animal-happyend) und Ungarn dient Ornella. Sie ist Schweizerin und lebt seit 20 Jahren dort. Für die Zusammenarbeit ist Ornella unentbehrlich: eine Tierschützerin mit einem ganz grossen Herzen.  

Ich habe so viel gelernt und gesehen in diesen zwei Tagen. Wie das Ganze funktioniert mit  Krankenstation, Quarantäne für die Neuankömmlinge (14 Tage), verschiedene Stationen für die Hunde, die schon einen Platz in der Schweiz oder in Deutschland haben und last but not  least, die Tierpfleger vor Ort.  Einige von ihnen sind wahre Hundeflüsterer. Sie arbeiten mit Tieren, die ohne ihren Einsatz  nicht vermittelbar wären. Ängstliche oder aggressive Hunde, Hunde die durch ihre Geschichte gezeichnet sind. Fast immer gibt es Hoffnung, Hoffnung auf Resozialisierung - man muss nur den richtigen Menschen und die richtigen Lebensumstände finden. Alle diese geschundenen Tiere verdienen diese Chance.

Eine Nacht haben wir in Kecskemét verbracht. Ein schönes Hotel und ein vorzügliches Abendessen mit lieben Menschen. Den Höhepunkt gab es aber am nächsten Morgen. Auf dem Weg zurück ins Tierheim haben wir Martin aufgelesen: Ein kleiner, ca. drei Monate alter, schwarzer, schnauzerähnlicher Welpe der ganz alleine auf der Hauptstrasse umherirrte. Nach ausgiebigem Herumfragen (auf Ungarisch; ist uns nicht leicht gefallen) haben wir endlich die Zusage bekommen, den Kleinen mitnehmen zu dürfen. Die Besitzerin schien sich nicht sehr für das weitere Schicksal Martins zu interessieren und liess uns ziemlich umstandslos mit unserem neuen Tierheimbewohner von dannen ziehen. Jetzt ist er also da, unserer Martin; im Menhely - hoffentlich auf dem Weg in ein glücklicheres Leben.

Und ich bin zurück. In meinem Kopf schwirren so viele Bilder. Ich bin so froh, dass ich dort war.

Eure Elisabeth.

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Kommentar von Ruth |

Elisabeth du bist eine Frau mit einem grossen Herz.Solche Menschen wie dich sollte es noch viiiiiel mehr geben. Ich schätze es,dass ich dich auch persönlich kennenlernen durfte. Bleib wie du bist

Kommentar von françoise mounir |

Danke Elisabeth für Ihren berührenden und wertvollen Reisebericht. Nächste Woche bekomme ich meinen zweiten Hund von animal.happyend. Bin auch Patin für eine kranke Hündin auf einer Pflegestelle. Ich bin auch am Überlegen wie ich sonst noch helfen kann. Bin leider nicht wohlhabend, und schon 52 Jahre alt. Eine Ausbildung als Tierpflegerin vielleicht, um eine Struktur hier als Zwischenstelle für animal.happyend zu haben (da Pflegestellen nicht einfach zu finden sind)? Es bräuchte Geld für den Bau... oder guten Willen... Wie Sie habe ich den Tierschutz am Herzen, fühle mich den armen Hunden (Tieren) verpflichtet da ich schon diese immense Liebe für sie verspüre, aber wie tatkräftig helfen? Herzliche Grüsse