Bericht Menhely Kecskemét, 5. bis 8. Juli 2026
Publiziert: Sonntag, 12.07.2026
Vom 5. bis 8. Juli 2026 war ich im Menhely Kecskemét in Ungarn zu Besuch. Im Zentrum standen Gespräche mit der Tierheimleitung sowie mit dem vor Ort tätigen Tierarzt.
Neben diesen Gesprächen haben wir bei diesem Besuch auch alle umgesetzten Projekte vor Ort besichtigt und geprüft: Von den neuen Spielplätzen über die Integration der Ukrainerhunde und die neuen Isolationshundehütten bis hin zu den Vor- und Nachkontrollen sowie den täglichen Arbeiten und Abläufen vor Ort. Gleichzeitig haben wir gemeinsam neue Ziele für die kommenden Monate festgelegt.
Im Moment beschäftigen uns massive Ohrenprobleme bei den Hunden, die trotz monatelanger Bemühungen bislang nicht in den Griff zu bekommen waren. Man hat vieles ausprobiert, doch immer wieder stecken sich neue Hunde im Tierheim an. Dabei ist uns wichtig, festzuhalten: Die Arbeit eines Tierarztes in einem Tierheim wie dem Menhely ist mit ganz anderen Voraussetzungen verbunden, als wir sie aus einer Schweizer Praxis kennen. Bei einer so hohen und laufend wechselnden Zahl an Hunden, die durch die Situation im Tierheim oft gestresst und dadurch in ihrem Immunsystem geschwächt sind, lässt sich ein solches Problem nicht einfach so beheben. Aufgrund neuer Laborresultate sind wir nun überzeugt, das Problem endlich im Griff zu bekommen.
Zurzeit sind es zehn Mitarbeitende, die täglich vor Ort mithelfen. Hella, die Tierarztassistentin, die schon seit Jahren dabei ist, macht ihre Arbeit fantastisch und kennt die Hunde wie ihre eigenen. In der letzten Zeit konnte die Anzahl der Hunde von 430 auf 300 reduziert werden. Für uns und für alle anderen Hunde ein grosses Glück. Trotzdem sind es immer noch zu viel, und darunter befinden sich rund 40 Listenhunde, die aufgrund ihres Rufs nur schwer zu vermitteln sind. Mir war es ein persönliches Anliegen, bei meinem Besuch mit möglichst vielen Listen- und Schäferhunden spazieren zu gehen. Die Staffmischlinge akzeptieren ihre Situation eher, doch durch die wenige Bewegung und das fehlende Spiel mit anderen Hunden werden sie leider nicht unbedingt sportlicher und nehmen eher zu. Schnell könnte man meinen, das Gewicht sei ihr grösstes Problem und sie litten deshalb weniger als andere Hunde. Doch das stimmt so überhaupt nicht. Gerade sie bleiben oft am längsten im Tierheim und warten manchmal so lange auf ein Zuhause, dass sie es nie bekommen und im Tierheim sterben. Manche warten bereits seit über sechs, sieben Jahren. Es zerbricht einem das Herz, dass wir für die meisten von ihnen kein Zuhause finden können. Aufgrund dieser Situation haben wir auf unserer Homepage eine neue Rubrik eingerichtet: Listenhunde
Ganz anders die Schäferhunde und deren Mixe: Sie akzeptieren die Situation kaum. Es sind Arbeitshunde, und die meisten von ihnen leiden extrem in ihren Zwingern. Bei den älteren Hunden ist dieses Los noch einmal doppelt so schwer. Wir suchen dringend ein Zuhause für jeden Einzelnen von ihnen. Schon nur zuzuschauen, wie sie sich im Zwinger verhalten, ist kaum auszuhalten: Die einen drehen stundenlang ihre Runden, andere springen so hoch sie können, klettern am Gitter hoch und geben einfach alles, um ihrem Zwinger zu entkommen. Man spürt in diesen Momenten hautnah, wie sehr sie sich nach Freiheit und Bewegung sehnen, und steht doch machtlos daneben. Auch für alle Schäferhunde und deren Mixe haben wir eine eigene Rubrik auf unserer Homepage: Schäferhunde
Vor ein paar Monaten ist zudem der Pachtvertrag für das Land ausgelaufen, auf dem sich bisher die Spielplätze befanden. Darunter der grosse Spielplatz, auf dem in den letzten Jahren die aus der Ukraine geretteten Hunde untergebracht waren, sowie die grossen Spielplätze gegenüber dem Tierheim. In den letzten Wochen konnte neues Land dazugekauft werden, auf das die Spielplätze nun verlegt wurden. Ganz fertig sind sie noch nicht, das eine oder andere steht derzeit noch provisorisch, doch man ist dran und es braucht nicht mehr viel, bis alles fertiggestellt ist.
Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine haben wir finanzielle Hilfe geleistet: Wir haben Zwinger bereitgestellt sowie bauen lassen, gewisse Tierarztkosten übernommen und Impfungen ermöglicht, damit den geretteten Hunden im Menhely eine Zwischenstation zur Verfügung stand. Insgesamt konnten so 400 Hunde gerettet und in Deutschland platziert werden. Nun sind es noch deren zwölf, die bislang kein Zuhause gefunden haben. Aus diesem Grund ist dies nun auch zu unserem Projekt geworden: Sie wurden ins normale Tierheim integriert, und wir helfen ebenfalls bei der Vermittlung mit. Manche von ihnen warten bereits seit über vier Jahren auf ein Zuhause. animal-happyend freut sich, diese zwölf nun ganz normal in der Vermittlung zu haben und drücken allen die Daumen.
Wir schätzen uns wahnsinnig glücklich, dass mit Ornella Pineroli ein Vorstandsmitglied direkt in der Nähe des Tierheims wohnt und so jederzeit den Überblick und die Kontrolle über alles behält. Sie arbeitet täglich bis spät in die Nacht, und ihr ist nichts zu schade. Ihre ganze Zeit investiert sie in animal-happyend und damit auch ins Menhely. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei ihr bedanken.
Auch bei den Mitarbeitenden im Menhely berührt mich einiges zutiefst: Manche kommen trotz schwerer Krankheit, selbst wenn sie an Krebs leiden, täglich ins Tierheim und setzen sich für die Hunde ein. Unser Tierarzt arbeitet von Montag bis Freitag jeweils rund drei Stunden in der von animal-happyend finanzierten Praxis vor Ort, danach muss er zurück in seine eigene Praxis. Neben den täglichen Konsultationen stehen immer wieder schwierige Operationen an. Jeden Tag werden zudem Tiere am Tor abgegeben. Wenn die Klingel läutet, steht einem fast das Herz still, denn meistens kommen wieder neue Tiere hinzu. So befinden sich im Moment in einem Zwinger junge Dackelwelpen, die von den Behörden konfisziert wurden, während sie auf einem Transport in Richtung Deutschland von Rumänien unterwegs waren. Viel zu früh wurden sie von der Mutter getrennt: Ein illegaler Tiertransport. Zum Glück wurde dieser Transport entdeckt, und die Welpen wurden von den Behörden dem Menhely zugesprochen, damit sie aufgepäppelt werden und ihnen danach ein Zuhause gesucht wird. Durch solche Fälle sind die Krankenstation und die entsprechenden Zwinger meist voll besetzt, zumal auch laufend Katzen abgegeben werden. Entsprechend fallen beim Tierarzt täglich Operationen an, um die Verletzungen der Neuankömmlinge zu behandeln.
Der Gang durch die Quarantäne trifft mich jedes Mal aufs Neue. Auch wenn man weiss, auf was man sich einlässt. Einige Hunde möchten sofort heraus, anderen steht die Angst ins Gesicht geschrieben. Sie verkriechen sich in der hintersten Ecke des Zwingers oder in einer Hundehütte, sodass man kaum etwas von ihnen sieht. Wieder andere sind schwer krank, und wir wissen, dass hier nicht alle überleben werden. Trotzdem muss man weitermachen, weiterlaufen, nach vorne schauen. Niemand von uns kann die ganze Welt retten, doch wir kämpfen für jede einzelne Hundeseele.
Auch bei der Quarantäne zeichnet sich bereits ein neues Projekt ab: Die Zwinger sind abgenutzt und bedürfen dringend einer Renovation, die Verletzungsgefahr ist entsprechend gross. Das zeigt, wie viel Erneuerungsarbeit nötig ist, nur um den bestehenden Standard zu halten. Von neuen Projekten ganz zu schweigen.
An dieser Stelle danken wir auch unseren Partnerorganisationen wie Rescute und Hundehilfe Taia aus Deutschland, die dieselben Ambitionen für die Hunderettung und -vermittlung verfolgen wie wir. Auch sie geben ihr Bestes, nicht nur Welpen und kleine Hunde zu vermitteln, sondern auch den alten, grossen und schwarzen Hunden eine Chance zu ermöglichen. Auch kupierte Hunde erhalten über sie in Deutschland eine Chance, da wir solche Tiere aufgrund des Schweizer Importverbots nicht in die Schweiz holen dürfen. Wir hoffen sehr, dass sie insbesondere Amun und Buster-6 helfen können, zwei Hunden, denen die Ohren kupiert und dadurch regelrecht verstümmelt wurden. Von Herzen wünschen wir ihnen, dass sie in Deutschland ein liebevolles Zuhause finden, denn auch sie gehören bereits zu den Langzeitinsassen.
Im September 2024 haben wir Strolch-2 zum ersten Mal in der Quarantäne kennengelernt und leider wartet er bis heute auf sein Zuhause. Erst vor Kurzem hätte er eine grosse Chance auf eine Adoption in Deutschland gehabt, doch im letzten Moment wurde sie wegen seiner anhaltenden Ohrenentzündung wieder zurückgezogen. Wir drücken fest die Daumen, dass er bald genesen wird und endlich sein Ticket zur Ausreise bekommt.
Der Alltag ist im Moment durch die Hitze sehr belastend. Eine Woche vor unserem Besuch lag die Temperatur bei über 41 Grad. Auch wenn die Zwinger über Dächer verfügen, ist eine solche Hitze für die Hunde kaum zu ertragen. Der Wasserverbrauch ist enorm! Drei Hunde traten in dieser Zeit leider die Reise über die Regenbogenbrücke an.
Die Situation der letzten Wochen und Monate war aus verschiedenen Gründen sehr belastend. Der Tierarzt war selbst schwer krank und fiel für einige Wochen aus, und das Tierheim sowie seine Leitung haben unter diesen erschwerten Umständen ihr Bestes gegeben. Wenn alle am gleichen Strick ziehen, kommt man meistens durch jede Krise hindurch. Und doch werden einem vor Ort immer wieder die Augen geöffnet: Es ist so viel leichter, zu Hause in der Schweiz zu sitzen, als tatsächlich dort zu sein. Vor Ort zeigt sich der Tierschutz von seiner anderen Seite und ist mit sehr viel Elend verbunden. Es berührt mich zutiefst, was für all diese Hunde geleistet wird. Dass das Tierheim seine Grundsätze und seinen hohen Standard dennoch halten kann, verdanken wir wesentlich Ornella Pineroli: Sie behält vor Ort stets den Überblick und schaut genau hin und koordiniert unter anderem zwischen den verschiedenen Organisationen sowie externe Tierarztbesuche und Operationen. Viele Hunde leben heute nur, weil sie täglich für sie kämpft und nie aufgibt.
Im Tierschutz zu arbeiten heisst, tagein, tagaus mit viel Elend konfrontiert zu sein und leicht ist das nie. Und doch wissen wir, wofür wir kämpfen. Ohne all die Helferinnen und Helfer hier in der Schweiz wäre das alles nicht möglich. Ihnen gilt mein ganz besonderer Dank. Ebenso danke ich, im Namen des gesamten Teams, von Herzen allen Spenderinnen und Spendern sowie den Paten, die unser Engagement überhaupt erst ermöglichen. Jeder Hund, dem wir helfen können, jedes Zuhause, das wir finden dürfen, ist ein kleiner Lichtblick inmitten von viel Leid und genau dafür lohnt es sich, jeden Tag aufs Neue zu kämpfen.
Yvette Höner, 12. Juli 2026
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